Saucisse grillée avec choucroute

Was die ideologie- und wertkritische Theorievermittlung betrifft, kann Hamburg ein durchaus reichhaltiges Angebot aufweisen. Zu nennen ist hier in erster Linie die Hamburger Studienbibliothek, aber auch diverse Lesekreise, Theorieveranstaltungsgruppen und universitäre Zirkel.
Bei der kritischen, antideutschen Intervention in das Alltagsgeschehen sieht es in der jüngeren Vergangenheit allerdings eher mau aus. Alte, durchaus sympathische Gruppen wie die „Gruppe Melange“ sind mittlerweile weitestgehend inaktiv oder haben sich komplett aufgelöst. Übrig geblieben sind lediglich Gruppierungen wie die „Gruppe für organisierten Widerspruch“, die teilweise diffus antideutsche Positionen vertreten, im Großen und Ganzen aber kaum mehr sind als die Wiederkehr der klassischen radikalen Linken in neuem Gewand, denen beispielsweise angesichts antisemitischer, islamistischer Großdemonstrationen vor allem die Ehrenrettung des Islam am Herzen liegt, oder die an anderer Stelle die praktische Bankenkritik bei M31 in Frankfurt üben. Somit sind sie zwar im Gegensatz zu den diversen antisemitischen Rackets der klassischen Linken, die es in Hamburg leider auch zu Hauf gibt, durchaus als das kleinere Übel anzusehen, taugen aber wenig als wirkliche Alternative zu linksradikalen Gruppen.
Aus diesem Grund haben wir beschlossen, die „Antideutsche Aktion Hamburg“ ins Leben zu rufen, nicht in Konkurrenz zu den vordergründig theoretisch orientierten Gruppen und Einzelpersonen, die uns inhaltlich nahe stehen, sondern in Ergänzung zu eben diesen, damit kritische Theorie weiterhin kritisch bleibt und nicht auf das Niveau traditioneller Theorie zurückfällt.
Um dabei aber Missverständnisse zu vermeiden: Uns geht es ebenfalls nicht darum, leninistische Agitation und Propaganda durchzuführen, den Straßenkampf zu üben und in einem Jahr die Weltrevolution zu verkünden. Vielmehr wollen wir versuchen, wieder mehr in das aktuelle Geschehen in unserer Umgebung einzugreifen und dabei insbesondere diejenigen zu denunzieren, die nichts so sehr verärgert wie die Vorstellung von einem befreiten Individuum.